Die Aegidienkirche

Die Geschichte der St. Aegidien-Kirche

Die St. Aegidienkirche trägt ihren Namen nach einem frommen Abt, der um 721 in der Provence ein Kloster gegründet hatte und dessen Grab im Mittelalter eine berühmte Wallfahrtsstätte war. Aegidius zählt zu den 14 Nothelfern der alten Kirche.

Pfingsten des Jahres 1626 kam es bei der Erstürmung der Stadt Hann. Münden durch die Truppen des Generals Graf Johann Tserklaes von Tilly zu einer Explosion eines als Pulvermagazin genutzten Stadtmauerturms in unmittelbarer Nachbarschaft der Aegidiikirche. Die Wucht der Detonation und das ausbrechende Feuer zerstörten einen Großteil des bis in das 13. Jahrhundert zurückweisenden Baus. Allein die Sakristei und die Apsis blieben erhalten. Bei Grabungen in der Kirche stieß man im Jahr 1964 auf einen kleineren und noch älteren Ursprungsbau mit einem Maß von ungefähr sechs mal neun Meter.

Erst Jahrzehnte nach der Zerstörung im Jahre 1684 wurde erneut ein Kirchenschiff errichtet. Im Jahr 1729 erhielt der Turm seinen heute erhaltenen Fachwerkbau und ab 1733 sind wieder regelmäßige Gottesdienste belegt.

Aus verschiedenen Überlieferungen geht der Ursprung der Aegidienkirche wie folgt hervor: Der ersten Quelle zur Folge soll die Kirche im Zuge der Einrichtung des Königshofes von Münden erbaut worden sein. Sollte diese Theorie stimmen, liegt der Ursprung der Kirche zeitlich vor der eigentlichen Stadtgründung. Andere Quellen datieren die Erbauung der Kirche in den Zusammenhang mit der Stadtgründung Mitte des12. Jahrhunderts. Einig ist man sich allerdings über die Tatsache, dass die St. Aegidienkirche die älteste Kirche Hann. Mündens ist. Erstmals schriftlich erwähnt wird die Kirche  1379 in einem Rechnungsbuch der Herzogin Margarete. Ab 1400 tauchen in den Kämmereirechnungen der Satdt immer wieder Bau -und Reparaturmaßnahmen an der Aegidienkirche auf. Da die Stadt Münden das Patronat besaß, hatte auch sie für den Unterhalt des Gebäudes aufzukommen. mit der Einführung der Reformation durch die Herzogin Elisabeth im Jahre 1542 wurde die St. Aegidienkirche eine evangelische Kirche, ohne dass Einzelheiten bekannt sind.

Im Jahr 1773 wurde die St. Aegidienkirche schließlich zur zweiten Pfarrkirche, neben der weitaus größeren St. Blasiuskirche erhoben. Die Gemeinde um die Kirche fasste damals 106 Häuser, sowie die jeweilige Garnison. Garnisionskirche blieb St. Aegidien solange in Münden Soldaten stationiert waren, zuletzt für die Pioniere der Bundeswehr. An diese Vergangenheit erinnern  die verschiedenen Gedenktafeln an der Südseite und innen in der Kirche.

Eine Orgel bekam die Gemeinde erst 1824, ein eigenes Geläut -zunächst erst eine Glocke 1873. Die Glocke wurde aus einer Haubitze des deutsch-französischen Krieges gegossen. Um dieselbe Zeit bekam der Kirchturm auch seine mechanische Uhr. Vor wenigen Jahren ist das nicht zu reparierende Uhrwerk ersetzt worden.

Im 19. Jahrhundert hatte die Aegidiengemeinde ständig mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Erst als nach dem Bau der Fuldabrücke 1882 der Stadtteil Neumünden entstand und in St. Aegidien eingepfarrt wurde, besserte sich die Situation. Aber mit dem Anwachsenvon Neumünden entstanden der Gemeinde neue Probleme. Einerseits reichte der beschränkte Platz für größere Veranstaltungen bald nicht mehr aus, und zum anderen war es ein großer Nachteil, dass die Kirche nicht im Wohngebiet der Gemeinde lag. Deshalb wurde 1970 unterhalb der Grundschule ein Gemeindezentrum mit Kindergarten, Gottesdienst- und Gemeinderäumen, sowie ein Pfarrhaus gebaut. Trotzdem blieb St. Aegidien die Neumündener Kirche, auch nach der Vereinigung mit der St. Blasius-Gemeinde zur Stadtkirchengemeinde.

Der 22. November 2006 setzte einen Schlussstrich unter die Geschichte der kleinen Mündener Kirche. In einem abendlichen Gottesdienst wurde sie als Gotteshaus entwidmet. Sehr viele Menschen nahmen innerlich bewegt daran teil. Unter einem letzten Geläut der Aegidienglocken trugen Kirchenvorsteher die gottesdienstlichen Geräte feierlich zur St. Blasiuskirche hinüber. Mit diesm Akt war das Gebäude von der Kirchengemeinde als Nutznießerin an die Stadt Münden als Eigentümerin zurückgegeben worden.

2008  konnte Bernd Demandt, dem das gegenüber der Kirche liegende Hotel gehört, die Aegidienkirche von der Stadt Münden erwerben und 2010 eröffnete er in ihr ein Cafe, wobei er den ursprünglichen kirchlichen Charakter und die Botschaft des Gebäudes unbedingt aufrecht erhalten hat. Deshalb werden im "Cafe Aegidius", so der neue Name der Kirche, auch keine Trinkpartys und dergleichen stattfinden, aber zu Frühstück, Kaffee und Kuchen wird es auch ein Gläschen Sekt und ein Bier geben, denn diese Einnahmen werden benötigt , um die Kirche in Zukunft sanieren und weiter ausbauen zu können.

Einer der Anziehungspunkte ist  auch die Grabplatte des Wanderarztes Johann Andreas Eisenbarth, der im Jahr 1727 auf der Durchreise in einem Gasthaus in Hann. Münden verstarb und in der Aegidienkirche seine letzte Ruhestätte fand.